Die Tarotkarte im September: Die Zehn der Stäbe
Die Zehn der Stäbe
TEXT VON RASHUNDA TRAMBLE
ILLUSTRATION VON WEICHER UMBRUCH
Opinion
Vielleicht glaubst du, deinen Liebsten etwas Gutes zu tun, indem du ihre Last trägst. Doch die Zehn der Stäbe sagt: Leg sie ab. Wenn du diese Zeilen liest, gehörst du vermutlich zu den Menschen, die unentwegt an sich arbeiten – mit grossem Einsatz und ebenso viel Freude.
Und deshalb bist du gewachsen. Und deshalb bist du stärker geworden. Und deshalb rufen dich alle in deinem Freundeskreis zuerst an, sobald sie ein Problem haben. Das wäre in Ordnung, wenn dein Freundeskreis aus fünf Menschen bestünde. Deiner hat aber zwanzig. Und von deiner Familie, die ihre Probleme auch noch bei dir ablädt, reden wir lieber gar nicht erst.
Das Problem ist: Je mehr Fortschritte du machst, desto mehr laden andere bei dir ab. Sie sehen, wie gut es dir geht. Doch statt sich an dir ein Beispiel zu nehmen, wie man besser lebt, betrachten sie deine wachsende Belastbarkeit als Einladung, deine Stärke auszunutzen.
Du bist für alle da, weil du so sehr liebst und gerne anpackst. Aber wie viel kannst du wirklich schultern?
WAS DIR DIE KARTE SAGT
Die Zehn der Stäbe ist unsere Tarotkarte im September. Oft zeigt sie eine Person, die ein riesiges Bündel Stäbe durch eine Landschaft trägt. Sie geht gebückt, so schwer ist die Last, die sie allein schleppt. Klingt das nach dir? Dann lies weiter. Wenn nicht, lies trotzdem weiter. Es könnte dir noch nützen.
In meinem Buch The Numinous Tarot Guide: A New Way to Read the Cards beschreibe ich, wie die Zehn der Stäbe ein deutliches Zeichen dafür sein kann, dass du dir buchstäblich zu viel aufbürdest. Ich schreibe auch darüber, dass du womöglich die Gedanken, Ideen und Pflichten anderer mit dir herumträgst. Diesen Monat steht auf deiner To-do-Liste vor allem eines: Lass die Stäbe fallen. Und das hat einen Grund.
Wir stecken mitten in einem globalen, evolutionären Wandel. Wir können diese Energie nutzen, um uns gründlich und manchmal unbequem selbst zu hinterfragen und, ja, uns zu verändern. Oder wir bekommen Angst und schieben die schwierige innere Arbeit anderen zu, indem wir ihre Stärke ausnutzen.
Wenn du dich als spirituelles Lasttier benutzen lässt wie die gebückte Person auf der Zehn der Stäbe, passieren zwei Dinge: Dir fehlen Zeit und Energie für deine eigene Arbeit. Und du nimmst einem anderen Menschen die Chance, diese Arbeit selbst zu tun.
Ein Beispiel. Du hast eine Freundin, die ständig zu viel ausgibt und Mitte des Monats komplett pleite ist. Sie leiht sich immer wieder Geld bei dir, und du weisst, dass sie es nie zurückzahlen wird. Sie könnte sich die Zeit nehmen, ihr Ausgabeverhalten anzuschauen und zu prüfen, ob etwas Tieferes dahintersteckt. Doch weil du ihr immer wieder aus der Klemme hilfst, übernimmst du Monat für Monat die Verantwortung dafür, ihre Geldprobleme oberflächlich für sie zu «lösen». Natürlich liebst du sie und willst sie nicht im Stich lassen, wenn sie dich braucht. Aber so legst du einen weiteren Stab auf das Bündel, das du ohnehin schon herumträgst. Das ist ihr gegenüber nicht fair. Und dir gegenüber auch nicht.
FRAG DICH
Meistens lernen wir viel über uns, wenn wir durch unsere Schwierigkeiten hindurchgehen statt um sie herum. Und meistens staunen wir, wie viel wir gelernt haben, wenn wir auf der anderen Seite ankommen. Weichen wir Schwierigkeiten aber aus, indem wir die Verantwortung jemand anderem überlassen, verpassen wir die Chance, zu lernen und zu wachsen.
Nimm dir ein paar Minuten und denk an die heiklen Situationen, in denen du gerade steckst. Stell sie dir als das Bündel vor, das die Person auf der Zehn der Stäbe trägt. Wie viele dieser Stäbe sind deine? Wie viele dieser Situationen wirken sich direkt auf dein Leben aus? Und jetzt überleg, wie viele überhaupt nichts mit dir zu tun haben und trotzdem irgendwie an dir hängen bleiben. Welche Liste ist länger? Wenn es die zweite ist, gib diese Situationen den Menschen zurück, die dafür verantwortlich sind. Und tu es mit Liebe.
Für September sagt die Zehn der Stäbe: «Deine Aufgabe, falls du sie annimmst: Hör auf, dich um die Probleme anderer zu kümmern.» Du hilfst deinen Liebsten nicht, wenn du ständig ihre Last trägst. Manchmal schon, ja. Aber vielleicht zeigst du deine Liebe am besten, indem du sie lernen lässt, mit ihren eigenen Schwierigkeiten umzugehen. So wachsen sie und werden stärker.
So wie du.
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