Barathy Akkan lebt in zwei Welten. In Glarus aufgewachsen, mit tamilischen Wurzeln, ist sie diplomierte Pflegefachfrau und Model. Zwei Berufe, zwei völlig unterschiedliche Bilder von Schönheit. Ein Gespräch über Zugehörigkeit und die Schönheit kleiner Momente.
Text: Stefanie Ponca
Fotos: René Fitzek
Styling: Jenni Tschugmell
Hair + Make-up: Sophia Singh
Bevor wir über Schönheitsideale und Identität sprechen: Wann fühlst du dich am schönsten?
Wenn ich so lache, dass mir der Bauch wehtut. Dieses Gefühl, wenn das Lachen langsam nachlässt und man völlig ausgepowert ist davon, das ist für mich das Schönste.
Du bist zwischen der schweizerischen und der tamilischen Kultur aufgewachsen, beide mit eigenen Schönheitsidealen. Wie hat das dein Selbstbild während deiner Jugend geprägt?
Von beiden Seiten kam nicht immer viel Positives. Heute finde ich es aber schön, tamilisch auszusehen und Tamilin zu sein – das war nicht immer so. Als junge Frau wollte ich vor allem dazugehören und nicht ständig das Gefühl haben, anders aufzufallen. Deshalb hätte ich mir manchmal gewünscht, mehr wie die Menschen um mich herum auszusehen.
Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass es eigentlich gar keine feste Norm dafür gibt, wie man aussehen oder sein sollte. Diese Erkenntnis hat mir geholfen, meine Herkunft mehr wertzuschätzen. Heute bin ich stolz darauf: Ich spreche gern Tamilisch, höre tamilische Musik, feiere tamilische Feste und trage tamilischen Schmuck. Ich möchte, dass die Menschen wissen, woher ich komme.
Hast du ein Guilty Pleasure?
Definitiv süsse Sachen – und nicht mal die exquisiten. Alles, was chemisch und künstlich süss ist. Statt frischem Croissant mit Füllung lieber das abgepackte aus der Folie, mit allem drin, was man eigentlich nicht aussprechen kann.
Du bist ausgebildete Pflegefachfrau und arbeitest ausserdem als Model. Eine Kombination, die man nicht unbedingt erwarten würde. Wie ist es dazu gekommen?
Für mich ist das völlig normal. Ich bin diplomierte Pflegefachfrau – ein Beruf, für den ich mich früh entschieden habe und den ich nie bereut habe. Das Modeln hingegen war nichts, das ich aktiv geplant habe. Irgendwann gehörte einfach beides zu meinem Leben, und für mich passt diese Kombination sehr gut.
Ich merke oft, dass Leute überrascht reagieren und mich dafür fast auf ein Podest stellen. Manchmal finde ich es sogar etwas schade, dass ich durch das Modeln oft mehr Wertschätzung für meinen Pflegeberuf bekomme als Menschen, die diesen Job jeden Tag Vollzeit ausüben. Dabei verdienen gerade sie genauso viel Anerkennung. Trotzdem fühlt es sich manchmal ein bisschen wie Hannah Montana an: zwei unterschiedliche Welten, die beide zu mir gehören und mir Freude machen.
Gibt es etwas in deiner Pflegearbeit, das dich besonders geprägt hat – etwas, das du durch keinen anderen Beruf so gelernt hättest?
Was mir die Pflege am meisten mitgegeben hat, ist die Erkenntnis, dass das Leben oft anders verläuft, als man denkt, und wie schnell sich Situationen verändern können. Durch die Arbeit mit Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen habe ich gelernt, wie wichtig Beziehungen sind – zu Angehörigen, zu Freunden und zu den Menschen, die einem nahestehen. Das hat mich sehr geprägt und ist auch ein Grund, warum ich heute so viel Wert auf meine eigenen Freundschaften und Beziehungen lege.
Was möchtest du in zehn Jahren genauso machen wie heute?
Ich hoffe, dass ich mir auch in zehn Jahren die Fähigkeit bewahre, alltägliche Dinge bewusst zu zelebrieren und zu schätzen. Kleine Routinen und einfache Momente im Alltag geben mir ein Gefühl von Wohlbefinden und Ruhe – und ich möchte nicht verlernen, genau darin etwas Schönes zu sehen.
Top and Kleid von CLAUDIA BERTINI. Schmuck: privat.
Top und Haarschmuck Tie von CLAUDIA BERTINI.
Ear Cuffs von SHERYLIN BIRTH.
Kleid von AZUR. Grills: privat.




