Hast du das Gefühl, zu stagnieren oder hinterherzuhinken? Oder unterliegst du bloss der Illusion gesellschaftlicher Normen? Während der Rückläufigkeitsphase kann dir die Mondkarte helfen, deinen eigenen Weg zu finden.
Text: Rashunda Tramble
Illustration: KI-generiert
Merkur ist vom 29. Juni bis zum 24. Juli rückläufig. Das bedeutet die üblichen Warnungen: Elektronische Geräte checken, Backups erstellen, Kommunikationsmissverständnisse vermeiden und so weiter. Ich bin kein Fan der Weltuntergangsstimmung, die man diesem Ereignis gerne anhängt. Was mich astronomisch aber immer fasziniert hat, ist die Sache selbst: Merkur bewegt sich während der sogenannten Rückläufigkeit gar nicht tatsächlich rückwärts, es sieht nur von der Erde aus so aus. Eine optische Täuschung, mehr nicht.
Genauer: Die Planeten in unserem Sonnensystem bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Du kennst das von der Autobahn: Du überholst ein langsameres Auto, und für einen Moment sieht es aus, als würde es rückwärtsfahren. Tut es aber nicht. Das ist eine Illusion.
Spezifischer auf den Merkur runtergebrochen: Während der Rückläufigkeitsphase überholt die Erde vorübergehend den Merkur. Weil beide Planeten dabei nebeneinanderstehen, sieht es so aus, als würde sich Merkur rückwärts bewegen. Auch das ist eine Illusion.
Und genau hier setzt unsere Tarotkarte des Monats an: der Mond.
Im klassischen Tarot zeigt die Mondkarte einen Wolf und einen Hund, die in den Himmel heulen, während der Mond über ihnen aufgeht. Ein Flusskrebs klettert langsam aus einem Teich. Zwei Türme rahmen die Szene ein.
Die Karte kann unsere Ängste symbolisieren, zeigen, wie wir mit dem Dunklen und Unheimlichen ringen. Sie kann aber auch auf Illusionen hinweisen: etwa auf Glaubenssätze und Überzeugungen, von denen wir felsenfest überzeugt sind, dass sie wahr sind, aber gar nicht der Realität entsprechen. Und uns genau darum als dunkel und unheimlich erscheinen.
„Ich bin 35 und habe in meiner Firma noch keine Führungsposition erreicht. Mein Kollege ist 10 Jahre jünger als ich und wurde gerade befördert. Ich bin ein totaler Versager.“
„Uff, diese Influencerin postet nichts als Blödsinn und hat 50’000 Follower. Ich schaffe nicht mal 10’000. Was mache ich falsch?“
„Ich würde meine Klassenkameradin gerne zu mir nach Hause einladen, aber meine Wohnung ist nicht so schön wie ihre. Und alle meine Möbel sind von Ikea.“
Drei Beispiele, ein Muster: Wir gehen durchs Leben und sehen nur, wie gut es allen anderen angeblich geht, wie viel schneller alle anderen unterwegs sind. Wir geben unser Bestes, um mitzuhalten. Und wenn wir nicht mithalten können, beginnt die Selbstkritik. Wir haben das Gefühl nicht vorwärts zu kommen. Wie jenes Auto auf der Autobahn. Wie jener Flusskrebs, der aus dem Teich krabbelt.
Die Mondkarte stellt uns diesen Monat ein paar Fragen, die dieses Konzept auf den Kopf stellen: Was wäre, wenn wir unseren Augen erlauben würden, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, abwarten, bis sich die Landschaft offenbart, und beobachten, wie sich die beängstigenden Schatten in wunderschöne Bäume verwandeln?
Und was, wenn wir aus diesem Sumpf des Wettbewerbs heraussteigen und zulassen, dass uns das sanfte Licht des Mondes auf unserem eigenen Weg führt? Und zwar in dem Tempo, das für uns selbst stimmt?
Hinkst du wirklich hinterher? Oder lebst du in einer Illusion?
Natürlich sind manche Lebensereignisse biologisch bedingt, etwa die Rolle, die das Alter bei der Schwangerschaft spielt. Da gibt es nichts zu diskutieren. Andere Normen dagegen, wann jemand befördert werden sollte, was ein angemessenes Vermögen ist, welchen sozialen Status wir anstreben sollten, sind keine Naturgesetze, sondern Konstrukte der kapitalistischen, patriarchalen Gesellschaft, in der wir leben.
Vielleicht hast du das Gefühl im Rückstand zu sein oder die Erwartungen der Gesellschaft nicht zu erfüllen, weil du die Dinge aus einer einzigen Perspektive betrachtest. So wie wir hier auf der Erde stehen und meine, Merkur sei tatsächlich rückläufig.
Hier also ein paar Strategien, wie du diesen Monat mit den Botschaften der Mondkarte und dem rückläufigen Merkur arbeiten kannst:
- Schreib die Lebensereignisse auf, oder nimm sie als Sprachnotiz auf, von denen du glaubst, du solltest sie inzwischen erreicht haben. Lies deine Liste dann noch einmal durch, oder hör sie dir an, und frag dich ganz genau: Woher stammen diese Vorstellungen überhaupt? Treffen sie tatsächlich auf dich zu, oder befindest du dich in der Illusion, dass sie wahr sind? Welche Anpassungen kannst du vornehmen, um dein Leben in einem Tempo zu erleben, das für dich stimmt?
- Weil Merkur die Kommunikation beherrscht, macht es Sinn, dass du dir über deine eigene Kommunikation Gedanken machst. Also: Wie kommunizierst du diesen Monat mit dir selbst? Findest du liebevolle Worte für deine Erfolge, egal ob gross oder klein? Und was, wenn du diesen Monat gar nichts "erreichst"? Schaffst du es trotzdem, liebevoll mit dir selbst umzugehen, komme was wolle?
Nimm dir diesen Monat Zeit, einen Gang zurückzuschalten, und lass dich vom sanften Licht des Mondes zeigen, wo du im Hier und Jetzt stehst. Und denk daran: Du bist nicht im Rückstand. Du bist einfach in deinem eigenen Tempo unterwegs.




